"Wir wollen vielen innovativen Unternehmen ein neues Zuhause in Duisburg bieten."

Andree Haack und Ralf Meurer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg

Herr Haack, Sie sind jetzt ziemlich genau ein Jahr neuer Dezernent in Duisburg und in Personalunion neben Ihrem Kollegen Ralf Meurer Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Duisburg. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Andree Haack: Die Einrichtung des neuen Dezernates für Wirtschaft und Strukturentwicklung zum 1. Juli 2018 war ein deutliches Zeichen von Rat und Verwaltung. Wirtschaftliche Themen haben damit in der Stadt und im Verwaltungsvorstand größeres Gewicht bekommen. Zum neuen Dezernatsbereich gehören die Genehmigungsbehörden rund um das Bauordnungsamt und die Unteren Umweltbehörden, die Stabsstelle InvestSupport und die Stabsstelle für Wirtschaft, Fördermittel und Europaangelegenheiten. Diese Verzahnung hat sich bewährt.

Wir sind mit gutem Tempo unterwegs, um die Wirtschaftsfreundlichkeit und um nachhaltig das Image der Stadt zu verändern. Es wäre aber vermessen, zu behaupten, dass wir alle Wunschvorstellungen bereits umgesetzt haben. In einigen Bereichen müssen wir sicher noch Hausaufgaben machen, um das Angebot und Prozesse zu optimieren. Aber die Weichen dafür haben wir in diesem Jahr gestellt.

Herr Meurer, Sie sind bereits seit 22 Jahren das Gesicht der Wirtschaftsförderung in Duisburg. Was sind Ihre zentralen Botschaften an Investoren?

Ralf Meurer: Ganz wichtig: Duisburg ist mehr als Stahl und Logistik. Wir leben – was kaum jemand wirklich weiß – im Zentrum eines der größten Ballungsräume Europas. In der Region Rhein-Ruhr leben fast genauso viele Menschen wie in Metropolen wie Paris oder London. Viele werben mit einer idealen Verkehrsanbindung, aber wir haben sie und werden nicht müde, das auch herauszustellen. Die Region Rhein-Ruhr hat eine beispiellos gute Verkehrsinfrastruktur.

Duisburg ist außerdem Nährboden für wissensbasierte Technologien. Viele Besucher sind überrascht, welches Know-how an der Universität und den dortigen An-Instituten entwickelt wird. Das betrifft insbesondere die Forschungen zu neuen Technologien wie Wasserstoffmobilität und Brennstoffzellen. In diesem Bereich ist gerade viel Dynamik zu spüren. Duisburg ist aber auch interessant für Start-Ups und deren Unterstützer. Dies zeigen beispielsweise die „Impact Factory“ oder „startport“, wo vor allem Existenzgründer aus der Logistikbranche von einen beispiellos guten Zugang zu Logistikunternehmen im größten Binnenhafen Europas profitieren.

Investoren suchen Flächen. Was bietet Duisburg Investoren, ansiedlungswilligen Unternehmen und deren Mitarbeitern?

Andree Haack: Wir entwickeln derzeit fast 160 Hektar Fläche in Eigenregie und 50 bis 60 ha stehen davon auch für gewerbliche Entwicklungen zur Verfügung. Allein die Entwicklung der Bereiche „Wedau-Nord“ und der „Duisburger Freiheit“ umfasst mehr als 50 Prozent dieser Fläche und wird vielen innovativen Unternehmen ein neues Zuhause in Duisburg bieten. Und diesen Weg eines kommunalen Flächenmanagements werden wir konsequent weitergehen.

Ralf Meurer: Inzwischen haben wir auch eine gute Entwicklung bei den Preisen für Büroflächen. Investitionen werden – wie das Beispiel Mercator One zeigt – wieder belohnt. In Duisburg sind gute Renditen in der Vermietung von Flächen für Büros und Dienstleister zu erwirtschaften. Das war nicht immer so. Die Überhitzung der Märkte in den sogenannten A-Lagen hat dafür gesorgt, dass auch B-Standorte wie Duisburg wieder für Investoren interessanter werden.

Stichwort „Digitalisierung“: Der Wert einer Fläche wird ja heute nicht nur in Euro pro Quadratmeter, sondern auch in Breitbandgeschwindigkeit gemessen. Wie sind Sie da aufgestellt?

Andree Haack: Die Ausgangslage ist gut und war auch nie schlecht, wie sie anderenorts beschrieben wird. Wir haben ein hohes Niveau beim Breitbandausbau und wenn Probleme auftauchen, haben wir mit der DCC Duisburg CityCom einen Partner im Stadtkonzern an der Seite, um alle denkbaren Anforderungen zu erfüllen.

Seit fünf Jahren endet die neue Seidenstraße in Duisburg. Der Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping im März 2014 hat Duisburg bundesweit in den Fokus gerückt. Wie entwickelt sich die Partnerschaft?

Ralf Meurer: Wöchentlich kommen inzwischen 35 Züge in Duisburg an. Der so genannte Yuxinou-Zug verbindet Zentralchina mit Europa und transportiert bereits seit 2011 Waren zwischen dem europäischen Binnenhafen Duisburg und der Millionenmetropole Chongqing. Auf seinem Weg legt der Frachtzug rund 10.300 Kilometer zurück, von China durch Kasachstan, Russland, Weißrussland über Polen nach Deutschland. Er braucht 13 Tage und ist damit fast doppelt so schnell wie der Seeweg und halb so teuer wie Luftfracht. Der Yuxinou-Zug ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Dynamik der Handelsbeziehungen.

Entwickelt sich Duisburg damit zum Wirtschaftsstandort für chinesische Unternehmen?

Ralf Meurer: Seit 2014 ist die Zahl der chinesischen Unternehmen in Duisburg von 40 auf 100 gestiegen. Nach produzierenden Unternehmen, die ihre Waren in Deutschland und Europa verkaufen wollten, kamen in einer zweiten Welle Handelsunternehmen, die europäische Waren nach China transportierten. In einer dritten Welle sind es aktuell e-Commerce-Unternehmen, die Lagerflächen suchen. Unser Ziel ist es jedoch, vor allem Unternehmen zu gewinnen, die Wertschöpfung vor Ort generieren und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Duisburg planen. Aus dem Thema „China“ werden wir noch mehr machen.

Bereits heute wirft die IGA 2027 ihre Schatten voraus. Was versprechen Sie sich von der Ausstellung?

Andree Haack: Um den Stellenwert noch mal deutlich zu betonen: Die IGA 2027 bedeutet nicht nur Blumen pflanzen, die IGA 2027 ist ein Stück Strukturpolitik. Da werden wir neue Antworten darauf finden, wie die Menschen in der Region künftig leben, arbeiten und wohnen wollen. In diesem Rahmen werden wir auch Vorschläge entwickeln, wie die bewirtschafteten Flächen nach Beendigung der IGA genutzt werden können. Ich verspreche mir da durchaus weiteren Rückenwind für die gute Entwicklung in Duisburg.

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