"Es geht nicht nur um die Pflege und Modernisierung unseres eigenen Wohnungsbestandes – wir verstehen uns auch als Motor für Stadtentwicklung."

Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH

Bernd Wortmeyer, die GEBAG ist das größte städtische Wohnungsunternehmen in Duisburg. Wie definieren Sie Ihre Rolle für die Bürgerinnen und Bürger, was ist Ihre Verantwortung?

Ein Kerngeschäft der GEBAG ist und bleibt die Vermietung von Wohnungen. Dabei agieren wir stets sozial verantwortlich und nachhaltig: Wir bieten rund 35.000 Duisburgerinnen und Duisburgern ein Zuhause – bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Und wir prägen seit mehr als 140 Jahren die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit.

Doch es geht nicht nur um die Pflege und Modernisierung unseres eigenen Wohnungsbestandes – wir verstehen uns auch als Motor für Stadtentwicklung. Die Flächenentwicklung ist mittlerweile unser zweites Kerngeschäft: Mit der Entwicklung von Projekten wie dem Alten Angerbach, dem Mercatorviertel oder 6-Seen-Wedau haben wir Flächen in Angriff genommen, die den Wohnungsmarkt in Duisburg in einer bisher nicht gekannten Dimension gestalten werden. Insofern stimmt es sicher: Das ist mehr, als der Duisburger von der GEBAG gewohnt ist.

Bereits im Jahr 2016 hat die Stadt Duisburg auf der Immobilienmesse Expo Real unter dem Titel „Platz für große Ideen“ für freie Flächen in Duisburg geworben. Was hat sich seither getan? Wie hat sich Ihre Kommunikationsstrategie für dieses Jahr geändert?

Bei unserem ersten Auftritt mit dem Slogan „Platz für große Ideen“ ging es darum, zunächst einmal bekannt zu machen, dass es in Duisburg überhaupt freie Flächen gibt. Im Jahr darauf hieß es dann schon „Fundament für große Ideen“ – wir waren also schon einen Schritt weiter gegangen. Mittlerweile geht es darum zu zeigen, dass wir nicht nur die reinen Flächen haben: Wir haben auch einen Plan, was mit den Flächen passieren soll! 

Wir wollen also nicht nur für unsere Flächen werben – wir wollen auch konkrete Realisierungen anstoßen und dafür die Flächen und die Investoren zusammenbringen. Es geht nicht mehr nur darum zu zeigen, dass es Flächen in Duisburg gibt (und Duisburg damit auch im internationalen Kontext bei Projektentwicklern eine Rolle spielen sollte), sondern darum zu zeigen, dass die Stadt diese Flächen mit uns gemeinsam entwickeln kann, will und auch wird. Im Stadtentwicklungskonzept 2027 sind allein 20 Flächen als Wohnbauflächen ausgewiesen, die auf Investoren und eine mögliche Entwicklung warten.

Wir sehen großes Potenzial auf dem Büromarkt. Wir erkennen, dass wir sowohl im gewerblichen Bereich als auch bei der Gestaltung von neuen Wohnquartieren weniger auf maximale Rendite als vielmehr auf hohe städtebauliche Qualität setzen müssen. Wir müssen auf innovative und zukunftsweisende Konzepte und Technologien reagieren und diese in unsere Stadtentwicklung konkret einfließen lassen – ich denke an Themen wie einen verstärkten Glasfaser-Ausbau, alternative Mobilitäts- und Versorgungsstrategien sowie das große Schlagwort „Smart City“. Und auch Nachhaltigkeit müssen wir als Aufgabe für die Stadtentwicklung der Zukunft begreifen: Das setzen wir schon heute um, mit Flächen- und Konversionsentwicklungsprojekten, bei denen es keinen neuen Flächenverbrauch gibt.

Wandelt sich die GEBAG vom Vermieter zum Projektentwickler?

Eigentlich ist Projektentwicklung unser täglich‘ Brot. Das geschieht aber vielfach eher unbeachtet von der Öffentlichkeit, wenn wir unseren eigenen Bestand aufwerten oder revitalisieren. Durch die Entwicklung unseres neuen Kerngeschäfts – der Etablierung einer hauseigenen Flächenentwicklung für die Stadt – rücken unsere Flächen- und Projektentwicklungsprojekte mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Das ist das Ergebnis einer sehr positiven Entwicklung, die wir in enger Abstimmung mit Oberbürgermeister Sören Link, dem Dezernat für Wirtschaft und Strukturentwicklung von Andree Haack sowie Martin Linne als Stadtentwicklungsdezernent und auch der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung forciert haben.

Neue Aufgaben bedeuten auch Manpower: Ist die GEBAG diesen neuen Aufgaben gewachsen, kann Ihre Mannschaft das stemmen?

Wir sind als GEBAG ein attraktiver Arbeitgeber, die anstehenden Projekte sind offensichtlich nicht nur für mich eine Herausforderung, auf die ich mich freue – auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen jeden Tag voller Motivation ans Werk, die Stimmung ist gut; das freut mich wirklich sehr!

Doch natürlich wissen wir auch, dass die bestehende Mannschaft Verstärkung braucht, um alle zukünftigen Aufgaben genauso erfolgreich zu bewältigen wie bisher – allein die eigenständige GEBAG Flächenentwicklungsgesellschaft wird in den kommenden Monaten mit bis zu 20 neuen Kolleginnen und Kollegen verstärkt.

Projekte wie 6-Seen-Wedau oder auch das Gelände am ehemaligen Güterbahnhof können nur bei entsprechender Nachfrage von Investoren erfolgreich realisiert werden. Bietet Duisburg dieses Potenzial?

Auf jeden Fall! Investoren, die lange den Weg nach Duisburg gescheut haben, sehen die Stadt inzwischen mit anderen Augen: Wir profitieren von der aktuellen Kapitalmarktsituation, in der Family Offices und andere kapitalkräftige Investoren zukunftssichere Anlagen suchen. Duisburg bietet dort Rendite-Chancen, die bisherige Topstandorte wie Düsseldorf, Frankfurt, München oder Hamburg in der Form nicht mehr bieten.

Allein in unserer Nachbarstadt Düsseldorf werden laut Bevölkerungsprognose bis 2020 rund 7.000 neue Wohneinheiten benötigt. Dieser Bedarf kann in Düsseldorf aufgrund mangelnder Flächen gar nicht befriedigt werden. Das sorgt für zusätzliche Nachfrage im Umland. Insbesondere 6-Seen-Wedau, das größte Städtebauprojekte Nordrhein-Westfalens, kann mit rund 3.000 neuen Wohnungen diese Nachfrage stillen. Wir schaffen also ein Angebot in einem Wohnsegment, das es in Duisburg in dieser Form bisher zu wenig gibt.

Zum Abschluss noch einmal konkret zum Gelände am ehemaligen Güterbahnhof: Die Branche kennt das Projekt bereits seit 20 Jahren. Was wollen Sie anders machen als die Investoren und Projektentwickler zuvor?

Natürlich ist die Entwicklung des Areals nach Ideen wie dem Multi Casa, der Foster-Planung für die „Duisburger Freiheit“ oder dem Bürgerentscheid zum Factory Outlet Center eine besondere Herausforderung. Die zukünftige Planung des Geländes unterscheidet sich aber in einem sehr wichtigen Faktor von allen Planungen zuvor: Dadurch, dass die GEBAG als städtische Tochter die Fläche im letzten Jahr gekauft hat, hat die Stadt nun alle Möglichkeiten, diese Liegenschaft trotz dieser schwierigen Vorgeschichte und trotz der Loveparade-Vergangenheit behutsam zu entwickeln. Die Verkehrsanbindung ist beispiellos gut, bei der Entwicklung stehen mit Sicherheit Aspekte wie Nachhaltigkeit und städtebauliche Qualität noch stärker im Vordergrund als an anderer Stelle. Wir haben die verantwortungsvolle Aufgabe, an dieser Stelle etwas Nachhaltiges für Duisburg zu schaffen – ein Scharnier zwischen Innenhafen, Innenstadt, Hauptbahnhof und dem benachbarten Quartier I der Duisburger Freiheit. Dabei setzen wir auf die tatkräftige Mitwirkung und Unterstützung der ganzen Stadt.

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