"Um Duisburg zu einem digitalen Vorreiter zu machen, ist ein breites Netzwerk an Partnern mit entsprechenden Ideen und Innovationen nötig."

Markus Wittig, Vorstandschef der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH

Herr Wittig, welche Bedeutung hat der
DVV-Konzern für Duisburg?

Wir gestalten die Entwicklung der Stadt aktiv mit und sind seit jeher ein verlässlicher Partner in vielen Bereichen, die den Alltag der Bürger in Duisburg bestimmen. Das Spektrum reicht von Infrastruktur, Versorgung und Mobilität über zahlreiche Dienstleistungen bis zur IT-Technologie. Wir sind ein Konzern mit rund 30 Gesellschaften und über 4150 Mitarbeitern. Die Themenfelder, in denen wir tätig sind, sind vielfältig, greifen zu großen Teilen aber auch ineinander. Und gleichzeitig befinden wir uns damit mitten in den großen gesellschaftlichen Themen, die uns alle nachhaltig beschäftigen: Sei es die  Energiewende inklusive Wärmewende, die Dekarbonisierung der Energieerzeugung oder die Digitalisierung und Verkehrswende.

Wie weit ist man denn in Duisburg mit der Energiewende?

Wir haben an vielen Stellen unsere Hausaufgaben gemacht: Im vergangenen Jahr haben wir unser letztes Kohlekraftwerk still gelegt. Für Duisburg bedeutet das eine Entlastung von 450.000 Tonnen an CO2-Emissionen – und das nachhaltig pro Jahr. Unser Gas- und Dampfkraftwerk nutzen wir insbesondere zur Wärmegewinnung. Seit dem Winter 2018 sorgt ein rund 40 Meter hoher Fernwärmespeicher dafür, dass wir das Kraftwerk noch umweltfreundlicher, flexibler und effektiver betreiben können. Es ist einer der größten und modernsten Wärmespeicher Deutschlands. Die Kapazität reicht im Sommer aus, um die Versorgung der 70.000 Duisburger Fernwärmekunden für 72 Stunden sicherzustellen. Im gleichen Jahr ist die 12 Kilometer lange Verbindungsleitung zwischen der Fernwärmeschiene Niederrhein und dem Fernwärmenetz Duisburg in den Betrieb gegangen. Sie sorgt dafür, dass industrielle Abwärme effizienter genutzt wird und weniger Frischwärme erzeugt werden muss.

 

Welche Rolle kommt auf den Immobiliensektor zu?

Der Wärmeverbrauch in Gebäuden trägt zu einem erheblichen Teil zum Ausstoß von CO2 bei. Laut der deutschen Energieagentur (Dena) ist der Gebäudebestand in Deutschland für mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich.

Alleine durch den Ausbau der Fernwärme bietet sich in den kommenden zehn Jahren ein Einsparpotenzial von bis zu 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr. In der ersten Stufe werden wir sieben gasbetriebene Blockheizkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 31,5 MW installieren. Auch im Immobiliensektor greifen die gesellschaftlichen Transformationen.. Das gilt besonders bei der Entwicklung neuer Wohnquartiere. Die Dienstleistungen und Produkte reichen von der Potenzialanalyse energetischer Modernisierungen von Bestandsimmobilien über private, dezentrale Stromerzeugung und Wärmekonzepte bis hin zu innovativer Wohn-Technik wie der Heizungssteuerung per Smartphone oder der Vernetzung ganzer Quartiere per App.

Die Digitalisierung hält also auch Ihr Unternehmen auf Trab?

Selbstverständlich, die Digitalisierung zieht sich durch alle Lebensbereiche. So setzen wir auch in all unseren Geschäftsbereichen auf Innovationen. Es geht vor allem darum, neben neuen Ideen auch vorhandene Denkansätze und Lösungen auf unsere Geschäftsfelder zu übertragen.

Nehmen Sie zum Beispiel die Straßenbeleuchtung, die wir als Stadtwerke auf stromsparende LED-Lampen umzurüsten. Im nächsten Schritt testen wir smarte Laternen, die eine Sensorik zur intelligenten Steuerung mitbringen und gleichzeitig die Luftqualität messen. Im Bereich der Mobilität nutzen wir die Möglichkeiten, um unser ÖPNV-Angebot durch digitale Lösungen zu ergänzen. Wir waren das erste Verkehrsunternehmen in Deutschland, das einen On-Demand-Bus auf die Straße gebracht hat. Unser myBUS fährt in ganz Duisburg, aber nur auf Nachfrage, ohne Fahrplan, ohne Haltestellen. Gebucht und bezahlt wird über eine App. Eine der wichtigsten Maßnahmen in Duisburg ist aber, dass sich die Stadt zur Smart City entwickelt.

 

Welche Rolle spielt denn die DVV in der Smart City?

Um Duisburg zu einem digitalen Vorreiter zu machen, ist ein breites Netzwerk an Partnern mit entsprechenden Ideen und Innovationen nötig. Dennoch sind wir ein zentraler Player auf dem Weg zur Smart City. Das fängt damit an, dass wir die Infrastruktur mit aufbauen, damit Duisburg überhaupt erst zu einer digitalen Stadt werden kann. Wir betreiben über unsere Tochter DCC Duisburg City Com seit 1996 in Duisburg ein Glasfaser-Netz mit einer Länge von 130 Kilometern. Wir bauen dieses Netz kontinuierlich aus, schließen zum Beispiel Schulen, Gewerbegebiete oder Wohnimmobilien an. Die Glasfaser-Anschlüsse bilden die Basis für weitere Geschäftsmodelle wie Internettarife, Telefonie (VOIP), TV und Cloud-Dienstleistungen. Wir können vieles aus einer Hand anbieten, da wir auch über ein eigenes, hochmodernes Rechenzentrum verfügen und jetzt den Bau des zweiten prüfen.

Da wir gerade von Klimaschutz und Mobilitätslösungen sprachen: Wie steht es um die Elektromobilität?

Das Thema beschäftigt uns bereits seit zehn Jahren. Wir bieten öffentliche und private Ladeinfrastruktur, insbesondere auch Lösungen für Unternehmen bis hin zur kompletten Fuhrpark-Umstellung: Als Stadtwerke ist es unser Anspruch, der erste Ansprechpartner in Sachen Elektromobilität zu sein. Gemeinsam mit innogy haben wir im Duisburger Norden den ersten öffentlichen Schnellladepark in einer urbanen Umgebung gebaut. Allerdings denke ich auch, dass sich eine Mobilitätswende nicht darin erschöpfen darf, einen Teil der Autos mit Verbrennungsmotor auf den Straßen eins-zu-eins durch E-Autos zu ersetzen. Wir fahren heute sogar mehr Kilometer mit dem Auto, nicht weniger. Der städtische Nahverkehr spielt eine zentrale Rolle, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Unsere Kunden wollen schnell, stressfrei und umweltfreundlich von A und B kommen. Das Verkehrsmittel ist für die Wahl nicht mehr ausschlaggebend, nötig ist aber die Verbindung von Verkehrsmitteln zu einem multimodalen Mobilitätsangebot. Hinzu kommen eine einfache Tarifstruktur und direkte, digitale Abrechnung, moderne Bahnen und Busse sowie alle Informationen in Echtzeit. Daran wollen wir arbeiten.

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