"Allein die Bedeutung, die Duisburg als Industriestandort hat und hatte, macht Konversion zu einem Dauerthema in Duisburg."

Martin Linne, Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt in Duisburg

Herr Linne, Sie haben im Juni 2019 als neuer Dezernent das Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt übernommen. Was hat Sie besonders an der Aufgabe in Duisburg gereizt?

Martin Linne:  Als Bau- und Planungsdezernent hatte ich in Krefeld acht Jahre lang eine schöne Aufgabe. Als sich dann die Möglichkeit bot, nach Duisburg zurück zu kehren, habe ich mich im Zwiespalt für zwei sehr schöne Möglichkeiten für die für mir naheliegendere Option entschieden. In Duisburg gibt es interessante Aufgaben zu bewältigen.

Duisburg ist mit rund 500.000 Menschen Großstadt und hat eine völlig andere Struktur als das benachbarte Krefeld.  Hinzu kommt: Die Entwicklung des Duisburger Güterbahnhofgeländes in Zusammenarbeit interessiert mich in ganz besonderem Maße. Gleich hinter dem Quartier I der Duisburger Freiheit, in dem sich vor kurzem das Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz angesiedelt hat und wo jetzt die Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung gebaut wird, haben wir die Chance, mit dem Eigentümer, der GEBAG Duisburger  Baugesellschaft mbH, ein neues Stück Stadtentwicklung zu gestalten.

Sie sind in Duisburg zu Hause und haben bereits dort in der Verwaltung gearbeitet. Hat sich für Sie beruflich mit dem Wechsel nach Duisburg der Kreis geschlossen?

Martin Linne: Diese Annahme ist nicht ganz unberechtigt. Ich bin Duisburger und habe bereits 1992 in Duisburg die Leitung der Koordinierungsstelle für Sonderprojekte im Planungsdezernat übernommen. Als solcher war ich für Projekte der Internationalen Bauausstellung Emscher Park, den Innenstadtumbau sowie das Krupp-Areal in Rheinhausen verantwortlich.

Von 2002 bis 2011 war ich Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Projektmanagement. Bereits in dieser Zeit war ich an strategisch wichtigen Planungen für die Entwicklung Duisburgs beteiligt. Hierzu zählen u.a. der fortlaufende Innenstadtumbau, der RheinPark, der Sportpark Wedau, der Grüngürtel Nord sowie das Stadtentwicklungsprojekt „Duisburg 2027“.

Duisburg wird mit Projekten wie der Entwicklung des Güterbahnhofprojekts aber auch mit dem Projekt an der Sechs-Seen-Platte weiter sein Gesicht verändern. Inwieweit spielen Umweltthemen dabei eine besondere Rolle?

Martin Linne: Besondere Herausforderung in der Stadtentwicklung und -planung ist die Symbiose von Umwelt und Planung. Ziel muss immer ein guter Kompromiss sein. Wichtig ist, dass wir im Kleinen möglichst viele positive Ansätze fördern. Die politische Diskussion zeigt, dass Klimaschutz einen immer höheren Stellenwert bekommt.

Für die Planung in Duisburg ist von herausragender Bedeutung, dass wir nach dem Erwerb des Grundstücks in der Stadtmitte durch die GEBAG nicht nur über das Planungsrecht auf die Zukunft der Duisburger Freiheit Einfluß nehmen können, sondern die wirklich beste Lösung für dieses Areal finden können. Es wird dabei eine breite Beteiligung der Stadtgesellschaft geben, ich bin sicher, dass wir am Ende eine für die Stadt sehr positive Entwicklung realisieren können.

Dazu kommt, das wir auf einem rund 70 Hektar großen, innerstädtischen Gebiet eine Perspektive entwickeln, über die bereits seit 1998 in unterschiedlichster Form diskutiert wird. Solche Möglichkeiten gibt es in verdichteten Räumen wie im Rhein-Ruhr-Gebiet kaum noch.

In vielen Duisburger Projekten geht es um solche Konversionen, um die Umnutzung ehemals gewerblich oder industriell genutzter Flächen. Ist das ein spezifisches Duisburger Thema?

Martin Linne:  Allein die Bedeutung, die Duisburg als Industriestandort hat und hatte, macht Konversion zu einem Dauerthema in Duisburg. Die Wiedernutzung einer Brache ist in zweifacher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Zum einen eröffnen wir neue Perspektiven für einen Standort, zum anderen minimieren wir Flächenverbrauch, wenn wir nicht auf einer Freifläche, sondern auf einer ehemals genutzten Fläche neue Wohnquartiere oder Gewerbegebiete entwickeln.

Der Landschaftspark Nord, Logport, Innenhafen und Rheinpark sind gute Beispiele dafür, was Konversion bewirken kann. Wir haben da große Erfahrung, die wir jetzt in eigenen städtischen Projekten nutzen können, aber auch Investoren zur Verfügung stellen können.

Haben sich die Erwartungen an Duisburg 2027 bisher erfüllt? Inwieweit hat diese Stadtentwicklungsstrategie Einfluß auf Ihre Arbeit?

Martin Linne: Das Konzept Duisburg 2027 mit den in den Strategiekonzepten formulierten Zielen ist nach wie vor Leitlinie für die Stadtentwicklung. Ich freue mich darüber, dass sich die Gedanken dieses Konzept, das ich in meiner ersten Amtszeit in Duisburg mit entwickelt habe, als tragfähig erwiesen haben. Sieht man sich die Formulierungen mit Blick auf die Entwicklung von Wirtschaft und Wohnen an, wird man feststellen, dass wir schon bei Konzepterstellung den tragfähigen Ausgleich zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten angestrebt haben. Ein Konzept, dass wir nach wie vor als Gestaltungsrichtlinie nutzen.

Stichwort Ökologie: Duisburg wird als Teil der Metropole Ruhr auch Teil der Internationalen Gartenausstellung 2027. Ein echter Impuls oder eine reine Imageveranstaltung?

Martin Linne: Für mich eine tolle Bereicherung für die ganze Stadt. Die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027 in der Metropole Ruhr hat mit dem Zukunftsgarten RheinPark einen zentralen IGA-Ort in der Stadt. Der Grüngürtel in Hochfeld wird als öffentlicher Begegnungs- und Gemeinschaftsraum umgestaltet. Hochfeld wird einen bunten Park bekommen, der die Vielfalt seiner Bewohner und die kulturelle Bandbreite wiederspiegelt und den RheinPark, RheinOrt und Hochfeld mit der Innenstadt verbindet.

In Kooperation mit Mülheim und Oberhausen ist Duisburg zudem mit dem Projekt Parklandschaft Ruhr vertreten. In Duisburg umfasst das Gebiet die Kaiserbergregion als Teil des Duisburger Stadtwaldes, der sich an der Ostgrenze der Stadt Duisburg vom Botanischen Garten über den waldreichen 75 Meter hohen Kaiserberg und den Waldpark Monning bis zu den Auenlandschaften der Ruhr im westlichen Stadtgebiet Mülheims erstreckt. Für den Kaiserberg und den Botanischen Garten Duissern läuft aktuell das Verfahren zur Unterschutzstellung als Gartendenkmal.

Duisburg ist auch am Zukunftsgarten Emschermündung beteiligt. In Zusammenarbeit mit Dinslaken und Voerde soll hier die Frage beantwortet werden, wie Wasser Landschaft und Leben formen kann.

Getragen wird die Internationale Gartenausstellung von den 53 Kommunen und vier Kreisen der Metropole Ruhr, von Verbänden wie Emschergenossenschaft und Lippeverband, der regionalen Wirtschaft und bürgerschaftlichem Engagement gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen. Sie sehen: Das ist eindeutig mehr als eine reine Imageveranstaltung.

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