"Wir reisen mit gewachsenem Selbstbewusstsein nach München."

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link

Herr Oberbürgermeister, Sie sind jedes Jahr auf der größten Gewerbeimmobilienmesse der Welt in München zu Gast. Was hat sich seit Ihrem Amtsantritt im Jahr 2012 für Sie dort verändert?

Ich sage es mal so: Wir reisen mit gewachsenem Selbstbewusstsein nach München. Duisburg ist Wissenschaftsstandort, internationale Logistikstadt mit Europas größtem Binnenhafen und nach wie vor größter Stahlstandort Europas. Das waren wir schon 2012, aber Duisburg hat inzwischen weit mehr als diese Prädikate zu bieten. Der Blick in die einzelnen Bereiche dieser Internetseite macht das sehr deutlich.

Der Strukturwandel hat für zahlreiche städtebauliche Veränderungen gesorgt. Stadtquartiere wie der Innenhafen dokumentieren die Umgestaltung denkmalgeschützter Industrie- und Hafenarchitektur zu hochwertigen neuen Büroimmobilien. Andere Industrieflächen wurden zu Parkanlagen umgestaltet; nach wie vor gibt es eine Reihe aktueller Bauprojekte, die das Stadtbild weiter verändern.

Was sind für Sie markantesten Projekte, an denen sich die Veränderung in Duisburg zeigt?

Der neue Eingangsbereich am Hauptbahnhof mit Mercator One, die Hochbauprojekte im Quartier I der Duisburger Freiheit, aber auch zahlreiche projektierte Wohnimmobilienprojekte sind Entwicklungen von nachhaltigem Wert. Mit dem Mercatorviertel entsteht auf historischem Grund in bester Innenstadtlage ein hochwertiges Wohnquartier mit rund 350 Wohneinheiten. Oder schauen Sie nach Wedau: An der Sechs-Seen-Platte wird eines der größten städtebaulichen Projekte in Nordrhein-Westfalen in direkter Wasserlage umgesetzt. Mit diesen Angeboten wird Duisburg wachsen.

Sie haben als gebürtiger Walsumer eine besondere Beziehung zu Ihrer Stadt. Was wünschen Sie sich weiter für Ihre Stadt?

Wir arbeiten intensiv daran, die großen Potenziale dieser Stadt zur Entwicklung von Urbanität, Freizeit und Lebensqualität zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger zu nutzen und die Balance zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten zu finden. Wir haben noch den Platz für Projekte, den andere Kommunen in dieser Form nicht mehr haben. Das macht uns für Investoren interessant.

Kommunen haben mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass die Wege lang und die Entscheidungsfindung langwierig ist. Das sind keine guten Nachrichten für die investierende Immobilienwirtschaft. Was können Sie dagegenhalten?

Seit Juli 2018 gibt es in Duisburg das Dezernat für Wirtschaft und Strukturentwicklung. Der Beigeordnete Andree Haack ist auch Mitgeschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GFW) Duisburg. Diese Personalunion führt dazu, dass die Interessen der Wirtschaft direkt in die Entscheidungsprozesse einfließen können. Die jährliche Investorenrundreise, bei der wir aktuelle Projekte vorstellen, die Teilnahme an der Expo oder unsere Gewerbeimmobilienmesse GIMDU sind Beispiele dafür, wie wir den direkten Kontakt zu Investoren und Wirtschaft suchen. Keine Sorge, wir setzen konkret Dinge um.

Was sollte ein Investor mit nach Duisburg bringen?

Wir brauchen mutige Investoren, die vor allem in der Entwicklung von Brachflächen Potenziale nutzen. Die veränderten Ansprüche der Menschen an Arbeit, Freizeit und Wohnen bieten gerade in der Quartiersentwicklung für Duisburg gute Chancen. Das gilt nicht nur für den Bereich „Wohnen“, auch in der Errichtung von Büroimmobilien sehe ich erhebliches Potenzial und gute Renditechancen in einer B-Stadt wie Duisburg. Die viel beschworenen A-Lagen in den Metropolen sind sicher attraktiv, aber die Marktentwicklung hat sicher nicht das Potenzial wie bei uns an Rhein und Ruhr.

Es werden immer mehr Projekte in Angriff genommen, die digitale Visionen in das reale Leben transportieren. Was halten Sie in Duisburg von „Smart Cities“?

Von herausragender Bedeutung ist für mich die Nachhaltigkeit eines Projektes. Seit August 2018 gibt es den „Green City Plan“ für Duisburg. Hier werden Aspekte von Digitalisierung und Nachhaltigkeit vereint. Der Plan zeigt, wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird. Damit wir die Potenziale einer smarten City nutzen können, müssen Technologie und stadtplanerische Tätigkeiten intelligent miteinander verknüpft werden. Ich denke, dass uns das in größerem Rahmen erstmalig im Projekt an der Sechs-Seen-Platte gelingen wird.

Ich bin selbst gespannt darauf, wie die im „Masterplan Digitalisierung“ festgeschriebenen Projekte realisiert werden können. Digitale Genehmigungsverfahren, smartes Baustellenmanagement und intelligente Straßenbeleuchtung sind nur einige Projekte, die Stück für Stück für Optimierung sorgen können. Wichtig ist, dass wir die Projekte nicht um ihrer selbst willen umsetzen, sondern prüfen, wie diese smarten Technologien zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen und Prozesse effizienter gestalten.

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